Ratgeber Bulimie

Informationen für Betroffene und Angehörige

Therapie von Bulimie

Die Bekämpfung der Bulimie ist im Rahmen einer Psychotherapie möglich. Die Erfolgsquote liegt durchschnittlich bei 30 – 45 %. Dabei steht die Normalisierung des Essverhaltens, also die Einstellung von Essattacken und Kompensationsmaßnahmen, im Mittelpunkt. Die Therapie wird zunächst ambulant durchgeführt und erst bei ambulanter Unwirksamkeit, medizinischen Komplikationen oder seht starker psychischer Belastung in eine stationäre Therapie umgewandelt.

Die Krankheit erkennen

Bulimie ist eine Essstörung und damit eine Suchterkrankung. Unabdingbar zur Behandlung der Erkrankung ist die Einsicht des Patienten, an dieser Sucht zu leiden und sie mit Hilfe bekämpfen zu wollen. Im Rahmen der Psychotherapie wird dabei versucht, die Ursachen der Bulimie zu erkennen. Diese liegen in der Regel auf seelischer Ebene, sodass eine Behandlung, die auf psychische und verhaltensbedingte Ursachen eingeht, angesetzt werden muss, um Auswege aus der Essstörung zu finden.

Das Essverhalten ändern

Eine Änderung des Essverhaltens ist Ziel einer jeden Therapie von Bulimie. Nach der Untersuchung des gestörten Essverhaltens durch Befragung oder Beobachtung, klärt der Therapeut den Patienten über angemessene Nahrungsmengen und Kalorienzufuhr und deren sinnvolle zeitliche Verteilung auf. Wichtig ist die Verdeutlichung der körperlichen Konsequenzen der Mangelernährung und des Erbrechens oder des Missbrauchs von Abführmitteln. Durch das verminderte Selbstbewusstsein und die mangelnde Selbstkontrolle des Patienten ist – besonders anfangs – eine strikte Kontrolle des Essverhaltens von Bulimikern und die Verhinderung heimlicher Kompensationsmaßnahmen erforderlich.

Verhaltenstherapie bei Bulimie

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Methoden kommen zum Einsatz, damit Bulimiker den normalen Nahrungsaufnahme- und Verdauungsprozess wiedererlernen und die bisher angewandten Maßnahmen nicht weiter zur Gewichtsregulierung nutzen. Den irrationalen Maßnahmen, die zur Anpassung an das vermeintliche Schönheitsideal dienen, müssen Maßnahmen entgegengesetzt werden, die implizieren, dass nicht nur schlanke Menschen anerkannt werden und dass die eigene Körperwahrnehmung gestört ist. Das Selbstbewusstsein und die Unabhängigkeit von der Meinung anderer sollten im Rahmen von Gesprächen gefördert werden.

Belastende Situationen ohne Bulimie bewältigen

Maßnahmen, die auch ohne Essanfälle und Erbrechen zu Befriedigung, Stressabbau und Krisenbewältigung führen, werden durch die kognitive Therapie in Einzel- oder Gruppentherapie vermittelt und das bisherige Verhalten damit schrittweise ersetzt. Dazu wird häufig absichtlich eine den Patienten belastende Situation ausgelöst, der normalerweise eine Essattacke mit anschließendem Erbrechen folgt, die dann aber durch die erlernten Maßnahmen wie Entspannungsübungen bewältigt werden soll.

Medikamentöse Therapie

Selten und immer in Begleitung einer Psychotherapie kommen zur Bekämpfung von Bulimie Antidepressiva zum Einsatz. Dies wird notwendig, wenn die Bulimie von einer Depression – auch temporär – begleitet wird oder die Gefahr eines Rückfalls abgewandt werden soll. Auch das Heißhungergefühl kann durch die Antidepressiva zeitweise bekämpft werden.

Barbara Kliem

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