Ratgeber Bulimie
Informationen für Betroffene und Angehörige
Diagnose von Bulimie
Bei Bulimie erfolgt die Diagnosestellung aufgrund der Symptombeobachtung. Daneben gibt es festgelegte Diagnosekriterien. Da es sich wie bei jeder Essstörung um eine psychische Erkrankung handelt, ist neben einer körperlichen Untersuchung ein ausführliches Gespräch mit den Betroffenen und eventuell mit Angehörigen unabdingbar für die Diagnosestellung. Anhand psychologischer Verfahren können vorhandene Persönlichkeits- beziehungsweise Körperschemastörungen aufgedeckt werden.
Körperliche Untersuchungen
Eine körperliche Untersuchung gibt Aufschluss darüber, ob eine Bulimie und bereits eventuelle Folgeschäden vorliegen. Dazu werden Größe und Körpergewicht gemessen und beurteilt, ob die betroffene Person normal-, unter- oder übergewichtig ist. Körperliche Anzeichen für Bulimie sind angegriffene Zähne, die durch das ständige Erbrechen geschädigt werden, geschwollene Speicheldrüsen und Verletzungen der Speiseröhre, die durch den häufigen Kontakt mit Magensäure entstehen. Das Blut wird auf den Mangel an Elektrolyten (lebenswichtigen Salzen) untersucht, der auch Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden verursachen kann. Die Funktion dieser Organe überprüft der Arzt mittels Untersuchungen wie einem Elektrokardiogramm (EKG) oder einem Herzecho und Ultraschall.
Diagnosekriterien
Die Kriterien für die Erstellung der Diagnose werden in der Regel während eines ausführlichen Gesprächs zwischen Arzt und Patient und Angehörigen abgefragt. Hier ist ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten wichtig, damit die gesamte Krankheitsgeschichte dargelegt und offen über die Essstörung gesprochen wird. Ob eine Bulimie vorliegt, kann der Arzt anhand verschiedener Merkmale erkennen.
Kontrollverlust beim Essen
Bulimiker nehmen – in der Regel innerhalb kurzer Zeit – eine weitaus größere Menge Nahrung zu sich als Gesunde in vergleichbarer Zeit. Dabei erleiden sie einen Kontrollverlust über die Nahrungsmenge und die Essgeschwindigkeit. Das Essen kann durch die Betroffenen nicht aus eigener Willenskraft gestoppt werden.
Kompensationsverhalten von Bulimikern
Um die unkontrollierte Nahrungsaufnahme und den damit verbundenen Kontrollverlust zu kompensieren, greifen Bulimiker zu verschiedenen Mitteln. Am häufigsten wird Erbrechen angewandt, was als die schnellste Regulierung der Essattacke erscheint. Dabei wird das Erbrechen in der Regel durch das Einführen des Fingers in den Mund herbeigeführt. Alternativ werden Abführmittel missbräuchlich benutzt oder exzessiver Sport betrieben. Nicht nur die Gewichtszunahme soll durch das Kompensationsverhalten verhindert werden, auch „bestrafen“ sich von Bulimie Betroffene mit den Maßnahmen für den Kontrollverlust und das (wiederholte) Versagen, die Essstörung in den Griff zu bekommen. Eine Bulimie kann diagnostiziert werden, wenn Essanfälle und Kompensationsmaßnahmen über drei Monate mehr als zweimal wöchentlich auftreten.
Bulimietypen
Nach dem englischen Wort „purging“ für Abführen und Reinigen diagnostiziert der Arzt eine Bulimie als Purging-Typ, der mit Erbrechen oder der Benutzung von Abführmitteln verbunden ist und dem Nicht-purging-Typ, bei dem als Kompensationsmaßnahmen Sport und Diäten bis zum Fasten angewandt werden.
Barbara Kliem
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