Ratgeber Bulimie
Informationen für Betroffene und Angehörige
Was ist Bulimie?
Bulimie (Bulimia nervosa) ist eine Essstörung, die auch Ess-Brech-Sucht genannt wird. Seltener verwendete Bezeichnungen sind Ochsen- und Stierhunger, die von der wörtlichen Übersetzung des griechischen „boulimia“ stammen, das „Ochsenhunger“ bedeutet, sowie Hyperorexie („Über-Hunger“). In der Regel ist Bulimie von Essattacken und darauf folgendem Erbrechen des Gegessenen gekennzeichnet. Um diesen Kreislauf drehen sich alle Gedanken der Betroffenen, das Essen und Nicht-Essen beziehungsweise Erbrechen bestimmen den Lebensinhalt.
Verbreitung von Bulimie
An Bulimie leiden überwiegend Frauen, nur 5 – 10 % der Betroffenen sind männlich. 1 – 3 % der Frauen in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter leiden an Bulimie, wobei mit 80 % der Großteil unter 22 Jahre alt ist, wenn sie eine Bulimie entwickeln. Häufig sind besonders Frauen in Berufen mit vorgegebenem niedrigem Körpergewicht wie Models oder Tänzerinnen betroffen. Bei Männern kann die Essstörung aus ähnlichen Gründen vorkommen, beispielsweise bei Skispringern. Bulimie kommt gehäuft in westlichen Ländern in der Mittel- und Oberschicht vor.
Abgrenzung der Bulimie zu anderen Essstörungen
Im Gegensatz zur Magersucht (Anorexia nervosa), die durch selbst verursachten Gewichtsverlust durch verminderte Nahrungsaufnahme oder Nahrungsverweigerung gekennzeichnet ist, sind von Bulimie Betroffene meist normalgewichtig, können aber auch unter- und übergewichtig sein. Da die während der Attacken zugeführten Nahrungsmittel in der Regel direkt wieder erbrochen werden, finden selten Gewichtsschwankungen statt. Das Gewicht wird aber durch eine gestörte Körperwahrnehmung oft als zu hoch empfunden, Bulimiker betrachten sich in der Regel als zu dick.
Merkmale der Essstörung
Bei Bulimie treten in bestimmten Abständen – von täglich bis zu mehreren Wochen Abstand – Heißhungerattacken auf, in deren Verlauf unkontrolliert übermäßige Mengen Nahrung „verschlungen“ werden. Daneben können die Essanfälle auch geplant auftreten. Das anschließende Erbrechen wird einerseits aus der Angst zuzunehmen herbeigeführt und erfolgt andererseits manchmal automatisch aufgrund der übermäßigen Nahrungsaufnahme. Daneben begründen die Essattacken eine Scham über den Kontrollverlust und das Versagen der Betroffenen, die durch das Erbrechen bekämpft werden soll.
Weitere Symptome der Bulimie
Neben dem Erbrechen kann auch die exzessive Ausübung von Sport oder der Missbrauch von Abführmitteln genutzt werden, um die Essattacken auszugleichen. Ebenso werden Hungerperioden, Diäten und der Gebrauch von Appetitzüglern zur Kontrolle des Gewichtes anberaumt.
Geheimhaltung durch Betroffene
Oft versuchen von Bulimie Betroffene, die Essstörung geheim zu halten. Durch das Normalgewicht fällt eine Bulimie nicht so augenscheinlich auf wie eine Magersucht. Eher werden die Zeichen der Mangelernährung und die Schädigung der Zähne durch das häufige Erbrechen entdeckt. Je später die Therapie begonnen wird, desto schwieriger ist eine dauerhafte Heilung. Im Durchschnitt wird der erste Behandlungsversuch nach fünf Jahren unternommen.
Barbara Kliem